Liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Leserinnen und Leser,

Achtung: nachdem es im Ferienmonat August keinen Newsletter gab, ist dieser nun randvoll mit Informationen! Bitte picken Sie sich das heraus, was Ihnen besonders wertvoll oder wichtig zu sein scheint!

Im ZEIT-MAGAZIN Nr. 36 vom 22.8.24 gab es ein Interview mit dem weltbekannten Astronomen Martin Rees über die größten Rätsel des Universums. Als Astronom hat man naturgemäß Weitblick (und Teleskope), um zu suchen, was man annimmt finden zu können. Darüber hinaus ist Rees (82 Jahre alt, ehemals Präsident der britischen Royal Society, Mitglied im House of Lords und mit 27 Ehrendoktortiteln dekoriert) Physiker (und, wie er im Interview selbst hinzufügt) nicht Metaphysiker. Umso nachdenklicher könnte es machen, wenn so einer auf die Frage nach dem größten Rätsel des Universums ganz schlicht bekennt: „Leider wissen wir nicht einmal, wie das Leben auf der Erde begonnen hat.“ Und er fügt hinzu, dass der Übergang von komplexer Chemie zu etwas, was man Leben nennen kann völlig unbekannt sei. Das Interview endet in einem denkwürdigen Satz: „Übrigens gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass unsere Gehirne überhaupt dafür geeignet sind, die tiefsten Aspekte der Wirklichkeit zu verstehen.“
Könnte nicht das, was in Richtung Makrokosmos gilt auch in die andere gelten, also Richtung Mikrokosmos? Man muss unterstellen, dass diejenigen, die sich dort ein bisschen auskennen das Gegenteil des astronomischen „Weitblickes“ (und natürlich Mikroskope!) haben müssen, mir fällt bloß im Moment gar nicht das analog passende Wort dafür ein. Aber es fällt auf, dass diejenigen, die sich dem Kampf gegen Homöopathie verschrieben haben ganz offenkundig ziemlich „kurzsichtig“ sind: eine erfolgreiche Therapiemethode wegen (noch) fehlender Plausibilität ihres Wirkmechanismus einfach mutwillig zu zerstören käme der Forderung nahe, die Astronomie auf den Schrottplatz der Wissenschaftsgeschichte zu verbannen, weil es noch nicht gelungen ist, die Rätsel um Urknall und Multiversen zu lösen.

Aber halt: das soll jetzt keine Verunglimpfung ernsthafter WissenschaftlerInnen sein! Doch zeigt das Interview mitsamt seinem Eingeständnis der Grenzen unserer Erkenntnisfähigkeit den himmelweiten (Achtung: Astronomie!) Unterschied zwischen ernsthafter Analyse eines hochbetagten und noch höher dekorierten tatsächlichen Experten und dem Gebaren von Gorillas, die sich gegen die Brust trommeln und vielleicht zum Ausdruck bringen wollen, wie toll, wie „groß“, wie wichtig sie im Rudel der Homöopathie-Leugner sind. Dabei ist der Un-Ernst in deren Wortmeldungen eklatant, denn hier zählen keine Tatsachen mehr, sondern nur noch praxisferne Meinungen, die stereotyp wiederholt werden. Ganz abgesehen davon, dass die „Ergebnisse“ entsprechender Verlautbarungen nicht einmal Spuren von Demut oder Bescheidenheit enthalten, von vorurteilsfreier Neugier ganz zu schweigen!

Achtung: ich nenne keine Namen, denn „ad hominem“ zu argumentieren wäre unfair. Ich möchte nur dazu anregen, im Bewusstsein unserer cerebralen Begrenztheit, aber beharrlich und mit menschlichem Anstand konsequent umzusetzen, was wir an Hand der Effekte in unseren Praxen täglich als wirksam erkennen; aber ebenso möchte ich dazu ermuntern, dass wir gemeinsam und mit großer Entschlossenheit denen entgegentreten, die ihre eigene begrenzte Weltsicht dogmatisch und autoritär vertreten. Dazu brauchen wir einen selbstbewussten Schulterschluss aller Aktiven in unseren Reihen!

Herzliche Grüße von Ihrem LV Bayern-Vorstand!

Die nächsten Schritte des Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GSVG)

Nach der Sommerpause steht das GSVG wieder auf der parlamentarischen Agenda
  • 25. September 2024: Anhörung im Bundestag
  • 17.-18. Oktober 2024: 2. und 3. Lesung im Bundestag
  • 22. November 2024: 2. Durchgang im Bundesrat
Auch wenn das Thema „Homöopathie“ (Abschaffung als Kassenleistung) derzeit nicht
mehr Teil des Gesetzes ist: wir dürfen nicht nachlassen, unsere Argumente und Erfahrungen möglichst vielen PolitikerInnen ins Bewusstsein zu bringen. So, wie wir Lauterbach inzwischen kennen, wird er ohne Zweifel Tricks suchen und finden, wie er unserer Homöopathie doch noch den Garaus machen könnte.
  • Einerseits können und sollten sich auch PatientInnen selbst um Aufmerksamkeit bemühen, und dafür hat der BPH einen speziellen Flyer entworfen, den Sie hier herunterladen können.
  • Wir als ÄrztInnen sollten unsererseits möglichst vielen Politikern / Abgeordneten unser topaktuelles Faktenpapier 'Ärztliche Homöopathie - die Wissenschaft' unter die Nase halten, dass Sie hier herunterladen können
  • Was wir heute durch unsere Aktivitäten leisten, erlaubt uns morgen hoffentlich ein ruhiges Weiterarbeiten unter gesicherten politischen Bedingungen!

Achtung: Aufklärungspflicht!

Aktuell gibt es Hinweise darauf, dass unsere Gegner einen neuen Trick anwenden, um uns und die Homöopathie weiter in Misskredit zu bringen (es sind erst wenige Beispiele bekannt geworden, aber aus diesen lässt sich ableiten, dass dahinter Methode stecken könnte):
PatientInnen, die in ihren Apotheken Arzneien zur Selbstmedikation suchen und denen eine homöopathische Arznei (auch Komplexmittel etc.) empfohlen wurde wenden sich unmittelbar an die Apothekerverbände und monieren, dass ihnen eine wirkungslose („nicht über den Placeboeffekt hinaus“…) Arznei empfohlen wurde und dass sie hierüber nicht (ausreichend) aufgeklärt wurden.
Patientin, der von Ihren ÄrztInnnen eine homöopathische Arznei (im konkreten Fall Otovowen wegen Ohrenschmerzen) verordnet wurde, wendet sich postwendend an die zuständige Ärztekammer und monieren fehlenden Aufklärung über die Wirkungslosigkeit der verordneten Therapie.
Aus diesem Grund sollten wir diesem Einfallstor im eigenen, aber auch im Interesse von uns Allen einen Riegel vorschieben! Dabei sollte es vor Allem auch um Dokumentation gehen.
Stichpunkte könnten dabei sein:
  • Leitliniengerechte Therapie besprochen
  • Partizipative Entscheidungsfindung zur gewählten Therapie
  • Einverständnis zur Verordnung einer homöopathischen Arznei
  • Aufklärung über derzeitigen strittigen Stand der Diskussion über wissenschaftliche Beurteilung zur Wirksamkeit.
Auch wenn vermutlich die meisten von uns ähnlich vorgehen, kann eine Dokumentation der Aufklärung unter Umständen hilfreich sein und spätere Querelen verhindern. Der DZVhÄ wird eine entsprechende und juristisch abgesicherte Handreichung zeitnah vorbereiten.

Neu! Die 'Allianz für Homöopathie'

Das Bündnis „weil`s hilft!“ hatte im Frühjahr mit 200.000 Unterschriften deutlich gemacht, dass nach dem Wunsch der Menschen Homöopathie und anthroposophische Arzneien auch zukünftig Kassenleistung bleiben sollen. Dies hat vermutlich dazu beigetragen, dass das Vorhaben von Lauterbach wieder aus dem Gesetzentwurf genommen wurde. Es zeigt auch, wie wichtig solche Aktionen sind.
Die Allianz für Homöopathie verfolgt nun das Ziel, 1 Million Unterschriften zu sammeln, und zwar nicht gezielt gegen irgendetwas, sondern für eine breitere Akzeptanz der Homöopathie in der Öffentlichkeit und als selbstverständlicher Teil einer integrativen Medizin. Es soll ein „Schneeball-Effekt“ ausgelöst werden, was dadurch gelingt, dass möglichst viele Menschen – ÄrztInnen, PatientInnen, Sympathisanten der Homöopathie aus allen Schichten der Bevölkerung – den Aufruf weiterreichen.
Es handelt sich ausdrücklich nicht um eine Konkurrenz zu „weil`s hilft!“ oder anderen Initiativen! Im Gegenteil: alle bereits bestehenden Verbände und Initiativen sollen im Interesse der Homöopathie unterstützt werden und sind herzlich eingeladen, ihrerseits die „Allianz“ zu unterstützen.
Weitere Informationen gibt es hier.

News

1 Der Antrag zum letzten Deutschen Ärztetag - Streichung der Homöopathie aus der Weiterbildungsordnung – wurde auch von einem bayerischen Präsidiumsmitglied mit unterzeichnet. Wir haben das zum Anlass genommen, in einem ausführlichen Schreiben an unseren Kammerpräsidenten sowie alle Präsidiumsmitglieder unsere Position
darzustellen, zusätzlich haben wir etliche konkreten Fragen formuliert und um Beantwortung gebeten. Trotz Erinnerung liegt bis heute noch keine Antwort vor. Wir bleiben auf jeden Fall am Ball, denn als zahlende Pflichtmitglieder haben wir ein Recht, gehört und ernst genommen zu werden!
2 Das Bürgerbündnis „weil`s hilft!“ hat im Blog auf seiner Webseite zum „Gesundes-Herz-Gesetz“ kritisch Stellung bezogen. Unabhängig von der Frage der Evidenz der geplanten Maßnahmen wird dabei insbesondere auf
die Sinnhaftigkeit der Initiative eingegangen, wenn gleichzeitig andere Maßnahmen zur Gesundheitsprävention vernachlässigt werden. Der Blog ist auf jeden Fall immer lesenswert! Zum Blog.


3 Auf der - graphisch überarbeiteten und erweiterten - Seite des BPH finden Sie im Blog zahlreiche Berichte von PatientInnen an PolitikerInnen. Sie stellen einen Querschnitt dessen dar, was als Reaktion auf den BPH-Flyer (s.o.) bei
Repräsentanten der Parteien inzwischen eingegangen ist. So muss es weitergehen! Bitte unterstützen Sie immer wieder aufs Neue die Arbeit des BPH!
Zum Blog.
4 Es gibt sie noch, die "Qualitätszirkel Homöopathie"! Zum Beispiel in München, geleitet von unserer Kollegin Frau Dr. Birgit Ullrich. Interessenten melden sich bitte direkt an unter folgender Mail-Adresse:
ullrichsb@t-online.de.
Bitte geben Sie uns Bescheid, wenn Sie Ihrerseits an anderen Orten ebenfalls Qualitätszirkel leiten oder andere homöopathische Arbeitsgruppen organisieren, wir veröffentlichen gerne im nächsten Newsletter eine Liste aller Angebote!

Termine

Veranstaltungsreihe beim ÄKBV München

Wir wollen neue und jüngere Kolleginnen und Kollegen auf unsere homöopathisch-ärztliche Arbeit und deren Möglichkeiten aufmerksam machen. Wie schon vor etlichen Jahren (damals ging es der Homöopathie noch besser als heute!) sind zunächst 4 Abendveranstaltungen in den Räumen des ÄKBV in München geplant. Wir sind uns dessen bewusst, dass es sich bei diesem Vorhaben um einen „Versuchsballon“ handelt, und natürlich können wir die Resonanz nicht wirklich einschätzen. Da aber gegen die Homöopathie regelmäßig mit dem Argument der fehlenden Evidenz argumentiert wird scheint dieser Aspekt wichtig und könnte vielleicht gerade jetzt erst recht doch den einen oder die andere Unentschlossene(n) neugierig machen, wenn wir betonen, dass Homöopathie durchaus durch alle 3 Säulen der EbM getragen wird. Deshalb haben wir als momentanen Arbeitstitel Folgendes überlegt:
„Homöopathie – praxisbewährt und evidenzbasiert“
Dr. Klaus von Ammon hat sich bereit erklärt, ein Referat zum Stand der Wissenschaft zu übernehmen, und unsere geschätzten KollegInnen Dr. Ute Bullemer und Dr. Krämer-Hoenes werden aus unterschiedlichen fachärztlichen Bereichen die Praxis beschreiben.
Termine sind: 22.10. / 14.11. / 10.12.24 und 21.1.25
Ort: Räume des ÄKBV München, Elsenheimerstrasse 65
KollegInnen aus dem Raum München sind selbstverständlich eingeladen, um unter Umständen das Gespräch mit anderen Gästen zu beleben und zu bereichern!
  • B-Kurs mit Dr. Hickmann, 9.-13.10.24, München, Seminarraum des LV Bayern
  • D-Kurs mit Dr. Wolfgang Tonigold, 16.-20.10.24, München, Seminarraum des LV Bayern
  • 'Internationales Symposium für integrative ärztliche Medizin, heute und morgen' im Krankenhaus für Naturheilweisen. ReferentInnen u.a. Dr. med. Mira Dorsci-Ulrich und Robert Schmidt. Organisiert vom Förderverein GLOBULUS. Informationen beim Veranstalter.
  • Hochkarätige und praxisrelevante Fortbildung zum Thema „Homöopathie bei Hauterkrankungen“. Das Weiterbildungswochenende des LV Bayern mit Dr. Karl Grunow aus Berlin, 30.11.-1.12.24, München, Hörsaal des Krankenhauses für Naturheilweisen
Anmeldung zu den Veranstaltungen, bis auf GLOBULUS: Martina Edelmann, Sekretariat LV Bayern, Tel.: 089/44717086 oder per E-Mail: lv.by@dzvhae.de
Alle Termine finden Sie auch auf unserer Webseite im Veranstaltungskalender.
Geschafft! Wir sind am Ende (des Newsletters), aber immer wieder am Anfang eigenen Aktivwerdens! In diesem Sinne frühherbstliche Grüße von Ihrem
Vorstand des LV Bayern
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