Betrifft: Nr. 186, „Bayern“, „Die Homöopathie-Blamage“ von Sebastian Beck – 13. August 2026

Wenn sich hier jemand blamiert, dann der Autor selbst: der Beitrag ist besserwisserischer Meinungs-Journalismus in Reinform („Herausgekommen ist bei der Untersuchung, was zu erwarten war: nichts.“ – „Politische Posse“), erkennbar auch an der Auswahl des Kronzeugen, des „Naturheilforschers“ und notorischen Homöopathiekritikers Edzard Ernst, der ex cathedra und in unflätigem Stil („Stuss“, „Idiotie“, „skandalös“) über die Studie herfällt. Die absolut mangelhafte Differenziertheit des Meinungsbeitrages zeigt sich auch an Formulierungen wie „… um es vorwegzunehmen …in jeder Hinsicht ein Desaster“: kein Wort dazu, dass klinische Studien nicht selten schon im Rekrutierungsstadium abgebrochen werden müssen, z.B. wegen allzu strenger Ein- und Ausschlusskriterien. Kein Wort dazu, warum die Ethikkommission der TUM trotz der zitierten Bedenken die Studie dann doch zugelassen hat. Keine Erklärung dafür, was die Studie mit „Orgon-Energie“ oder einem „ORAC-Akkumulator“ von dem an der Studie gar nicht beteiligten Prof. Kavouras zu tun haben könnte (nämlich gar nichts!) Kein Wort dazu, worin die von Edzard Ernst angedeuteten „methodischen Schwächen“ einer von einer Exzellenz-Uni getragenen Studie bestanden haben könnten (mit dieser Unterstellung macht sich der „Forscher“ selbst lächerlich!). Die Frage wiederum, „nach welchen Kriterien die Globuli … ausgesucht und individuell zugeteilt wurden“ zeigt die völlige Unkenntnis hinsichtlich dessen, was wortreich und hämisch kritisiert wird: Globuli werden bei korrekter Anwendung immer entsprechend des individuellen Symptomenmosaikes der Patienten verordnet, so auch in der Studie! Besonders bemerkenswert an dem Beitrag: Kein Wort zum Hintergrund der Studie, nämlich zm rasant zunehmenden Problem der Antibiotikaresistenzen und der Frage, wie man ihr begegnen könnte. Homöopathisch tätige Kassenärzte erhalten von ihrer Kassenärztlichen Vereinigung (KV) immer wieder die Info, dass sie hinsichtlich der Verordnung von Antibiotika unter ihrem jeweiligen Fachgruppendurchschnitt liegen. Was also lag näher, als – ganz im Sinne von SPD-Waldmann! – „Aufklärung“ dadurch herbeizuführen, dass man diese Tatsache auch in einer klinischen Studie hinterfragt? Dass eine aus wissenschaftlichen Gründen ursprünglich auf 240 Probandinnen ausgelegte Studie mit zuletzt 22 Teilnehmerinnen gar kein signifikantes Ergebnis erbringen konnte ist freilich höchst bedauerlich, aber kein Argument gegen oder für die Homöopathie als Therapie-Methode. An diesem Ergebnis trifft weder CSU-Seidenath, CSU-Holetschek oder die Freien Wähler in der bayerischen Staatsregierung eine Schuld. Der SZ allerdings hätte eine deutlich differenziertere Stellungnahme wesentlich besser zu Gesicht gestanden.

Dr. med. Ulf Riker, Vorsitzender des DZVhÄ Landesverands Bayern | Internist – Homöopathie |  Teilnehmender Studienarzt |  Garmisch-Partenkirchen

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