Fangen wir hinten an: erst am Ende des Artikels erfährt der geneigte Leser, wer hinter dem Artikel steht, der so harmlos als Kritik einer „Hausärztin“ an der Integrativen Medizin (IM) daherkommt. Diese Ärztin ist aber nicht nur „eine der Autorinnen“ eines im Beitrag zitierten Memorandums, sondern sie ist Mitglied des sog. „Münsteraner Kreises“. Zu dessen Agenda gehört es seit Jahren, die Medizin von Allem zu säubern, was angeblich nicht evidenzbasiert sei, also bestenfalls auf ärztlicher Erfahrung beruht und schlimmstenfalls gefährlich sei. Man kann ja verstehen, wenn die selbsternannten „Expertinnen und Experten“ von Erfahrung nichts wissen wollen: unter den Mitgliedern des Münsteraner Kreises finden sich gerade mal 3 praktizierende Mediziner (ein Anästhesist, ein Zahnarzt sowie eine Allgemeinärztin, die genannte „Hausärztin“; der Rest der 23-köpfigen Gruppe besteht aus Medizinethikern, Medizinhistorikern, Philosophen, Wissenschaftstheoretikern und einem Medizinjournalisten). Aber dann ist es eben auch kein Wunder, dass Formulierungen gewählt werden, wie „Integrative Medizin stifte Verwirrung und berge erhebliche Gefahren“, die Vertreter der IM würden nur „Defizite anprangern, ohne Lösungen einzufordern“ oder „Selbstregulation würde durch irrationale und unnötige Maßnahmen außer Kraft gesetzt“. Nicht alle Falschaussagen lassen sich in gebotener Kürze klären, daher nur ein Beispiel: die „Selbstregulation“ eines Organismus würde durch IM außer Kraft gesetzt, heißt es. Aber wie kann das denn sein, wenn z.B. Homöopathie nach Ansicht der Protagonistin gar nicht wirken kann, weil sie nur eine „esoterische Glaubenslehre“ sei? Wie kann ein angebliches „Nichts“ die Selbstregulation aus den Angeln heben? Und sind nicht zahlreiche medikamentöse Interventionen der konventionellen Medizin – und kein integrativmedizinisch tätiger Kollege, keine Kollegin möchte sie missen! – ebenfalls dadurch charakterisiert, dass sie Selbstregulation blockieren, ja blockieren müssen, um z.B. Entzündungskaskaden (auch eine Art der biologischen Autoregulation!) zu stoppen? Ist also so ein Scheinargument nicht selbst „pseudomedizinischer Unsinn“?Aber so ist es wohl, wenn Weltanschauung ärztlichen Sachverstand dominiert! Was mag es bloß bedeuten, dass der Beitrag durch die Fotos von zwei sog. „Experten“ geziert wird, die beide Mitglieder des „Münsteraner Kreises“ sind? Oder der Cartoon, der bestenfalls deutlich macht, wie tief das Niveau der Auseinandersetzung rund um IM und Homöopathie inzwischen gesunken ist? Frage daher an die Redaktion der „Medical Tribune“: was müssten zum Beispiel die „Hufelandgesellschaft“ oder die „Allianz Integrative Medizin“ tun, wenn sie einen entsprechenden Beitrag – allerdings pro Integrative Medizin und darüber hinaus erfahrungsbasiert! – in Ihrer Zeitung  („von Ärzten für Ärzte“!) unterbringen wollten? Ein Zeichen für ausgewogenen Medizinjournalismus wäre die Veröffentlichung einer korrigierenden Darstellung allemal!

Dr. Ulf Riker, Internist – Homöopathie – Naturheilverfahren, München